ECA-Schreiner und Stiefler Steuerberatungsgruppe

Steuerberater und Wirtschaftstreuhand Krems an der Donau

Ärzte werden oftmals von ihren Patienten gebeten, ärztliche Bestätigungen für die Geltendmachung von außergewöhnlichen Belastungen im Rahmen der Steuererklärung auszustellen. In diesem Zusammenhang sind zwei jüngst ergangene Entscheidungen des Unabhängigen Finanzsenats (UFS) von Interesse.

 

Die erste der beiden Entscheidungen betrifft die Voraussetzungen für die Anerkennung von Kosten einer Kur als außergewöhnliche Belastung. Der Kuraufenthalt muss aus medizinischen Gründen zur Heilung oder Linderung der Krankheit nachweislich notwendig sein, sowie grundsätzlich unter ärztlicher Begleitung und Aufsicht erfolgen. Die Zwangsläufigkeit eines Kuraufenthaltes ist durch ein ärztliches Zeugnis, aus dem sich die Notwendigkeit und Dauer der Reise sowie das Reiseziel ergeben, nachzuweisen. Werden zu einem Kuraufenthalt von einem Träger der gesetzlichen Sozialversicherung Zuschüsse geleistet, kann dies einem Gutachten – somit der Bestätigung durch den Arzt – gleich gehalten werden.

Wird vom Arzt kein bestimmter Kurort angeführt und wird in weiterer Folge die grundsätzliche Therapie dennoch von der Krankenkasse bewilligt, so ist nach Ansicht des UFS nur von einer Genehmigung der Behandlung und der Bewilligung eines Kuraufenthalts im Inland auszugehen. Im gegenständlichen Fall hatte der UFS über einen Kuraufenthalt im Ausland zu entscheiden: Laut seiner Beurteilung können vom Patienten lediglich die im Ausland gezahlten Therapiekosten, soweit nicht von der Krankenkasse übernommen, als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Die vom Patienten getragenen Reisekosten und Kosten des Hotels im Ausland sind steuerlich nicht absetzbar.

Die zweite Entscheidung betrifft die Absetzbarkeit von Medikamenten und Heilmitteln als Kosten der Heilbehandlung. Um sie als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzen zu können, müssen sie zumindest zur Linderung einer konkret existenten Krankheit beitragen. Erhöhte Nachweiserfordernisse ergeben sich dabei insbesondere bei Behandlungsformen aus der Alternativ- oder Naturmedizin. Sofern ein ärztliches Schreiben zur Untermauerung dient, ist in diesem konkret auf die medizinische Notwendigkeit einzugehen. Allgemeine unspezifische Anregungen zu Lebens- und Essgewohnheiten sind nach Ansicht des UFS in diesem Zusammenhang nicht ausreichend. Im Fall von Vitaminpräparaten zur Behandlung von Lactose- und Fructoseintoleranzen konnten nur die in der ärztlichen Bestätigung explizit genannten Präparate steuerlich geltend gemacht werden. Die Kosten für darüber hinausgehende allgemeine Substanzen (diverse Teesorten, Vitamin-C-Tabletten usw.) wurden nicht anerkannt.

ECA-Tipp:
Auch wenn man als Arzt dem Patienten helfen möchte, ist von reinen Gefälligkeitsbestätigungen jedenfalls abzuraten, da bei vorsätzlich falschen Angaben im Extremfall sogar finanzstrafrechtlich eine Beitragstäterschaft des Arztes die Folge sein kann.