ECA-Schreiner und Stiefler Steuerberatungsgruppe

Steuerberater und Wirtschaftstreuhand Krems an der Donau

Die gesetzliche Regelung
Allgemein sind Aufwendungen im Zusammenhang mit der Berufsausbildung eines Kindes Teil der Unterhaltsverpflichtung und als solche steuerlich über die Familienbeihilfe und gegebenenfalls durch den Kinderabsetzbetrag berücksichtigt.

Für eine sogenannte „auswärtige Berufsausbildung" sieht der Gesetzgeber quasi zusätzlich in Höhe eines Pauschalbetrages von EUR 110,00 pro Monat den Ansatz einer außergewöhnlichen Belastung vor. Aufwendungen für die Berufsausbildung eines Kindes sind gemäß der betreffenden Regelung dann als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig, „wenn im Einzugsbereich des Wohnortes keine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit besteht".

Die Verordnung zur gesetzlichen Regelung
In einer Verordnung ist festgelegt, in welchen Fällen eine Ausbildungsstätte als nicht mehr im Einzugsbereich des Wohnortes gelegen angesehen werden kann. Dies ist jedenfalls dann der Fall, wenn die Ausbildungsstätte vom Wohnort mehr als 80 km entfernt liegt. Beträgt die Fahrzeit zwischen Wohnort und Ausbildungsstätte und umgekehrt mit dem günstigsten öffentlichen Verkehrsmittel mehr als je eine Stunde, dann liegt die Ausbildungsstätte auch dann nicht im Einzugsbereich des Wohnortes, wenn diese Strecke unter 80 km beträgt.

Die Auslegung in der Rechtsprechung
In Rechtsmittelverfahren ist regelmäßig die Auslegung des Begriffs „entsprechende Ausbildungsmöglichkeit" strittig. Nach der Rechtsprechung ist bei der Beurteilung dieser Voraussetzung auf die Gleichartigkeit des Ausbildungsabschlusses und auf die Vergleichbarkeit der Ausbildung der Art nach abzustellen; denn nur wenn unter Bedachtnahme auf die Talente des Kindes im Einzugsbereich des Wohnortes keine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit besteht, ist eine auswärtige Berufsausbildung zwangsläufig.

Nimmt ein Kind an einem Studentenaustauschprogramm teil, so liegt nach den Lohnsteuerrichtlinien der Finanzverwaltung auch dann eine auswärtige Berufsausbildung mit Berechtigung zum Abzug des Pauschalbetrages vor, wenn es sich um ein gefördertes Programm handelt. Als auswärtige Berufsausbildung gilt nach einer Entscheidung des Unabhängigen Finanzsenates Salzburg auch die Absolvierung von zwingend in einem Studienplan vorgeschriebenen Auslandsstudiensemestern.

Jüngst hatte der Unabhängige Finanzsenat (UFS) Feldkirch die Frage zu entscheiden, ob innerhalb einer nationalen AHS-Ausbildung absolvierter einjähriger Auslandsschulbesuch gleichwertig zum ununterbrochen fortgesetzten Besuch der inländischen Schule oder einer anderen Schulform im Einzugsbereich des Wohnortes ist.

Nach Auffassung des UFS kann über Schüler- und Studentenaustauschprogramme eine besonders qualifizierte Fremdsprachenkompetenz in Verbindung mit einer interkulturellen Bildung erworben werden, wie sie bei einer rein inländischen Schulausbildung nicht erreicht werden kann. Damit liegen von vornherein wesentliche, unterschiedliche Lehrinhalte vor, sodass die Möglichkeit einer gleichwertigen Ausbildung im Einzugsbereich des Wohnortes zu verneinen ist.

ECA-Hinweis:
Auch bei einem freiwilligen Auslandsschulbesuch eines Kindes liegt eine auswärtige Berufsausbildung vor, die zum Abzug des gesetzlich dafür vorgesehenen Pauschalbetrag berechtigt. Allerdings können über den Pauschalbetrag hinausgehende Kosten nicht abgesetzt werden.