ECA-Schreiner und Stiefler Steuerberatungsgruppe

Steuerberater und Wirtschaftstreuhand Krems an der Donau

Hat ein Dienstnehmer ausschließlich Einkünfte aus einem Dienstverhältnis, dann führt eine Arbeitnehmerveranlagung regelmäßig zu einer Steuergutschrift, weil insbesondere bei Bezugsänderungen der Lohnsteuerabzug unterjährig zu hoch erfolgt.

Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Steuerpflichtigen hat jedoch in der Vergangenheit von der Möglichkeit einer Arbeitnehmerveranlagung nicht Gebrauch gemacht und so aufzustehende Steuergutschriften verzichtet.

Vor diesem Hintergrund hat die Steuerreformkommission für derartige Fälle die Einführung einer antragslosen Arbeitnehmerveranlagung angeregt, die mit dem Steuerreformgesetz 2016 umgesetzt und 2017 für das Veranlagungsjahr 2016 erstmals zur Anwendung kommt.

Die antragslose Arbeitnehmerveranlagung ist vom Finanzamt von Amts wegen dann vorzunehmen, wenn bis Ende des Monats Juni keine Abgabenerklärung für das vorangegangene Veranlagungsjahr eingereicht worden ist und das Finanzamt aufgrund der Aktenlage annehmen kann,

• dass der Gesamtbetrag der zu veranlagenden Einkünfte ausschließlich aus lohnsteuerpflichtigen Einkünften besteht und
• dass aus der Veranlagung eine Steuergutschrift resultiert, welche höher ist als jene, die sich aufgrund übermittelter Daten zu Sonderausgaben oder außergewöhnlicher Belastungen ergeben würde.

Eine antragslose Veranlagung hat das Finanzamt weiters auch dann vorzunehmen, wenn bis zum Ablauf des dem Veranlagungszeitraum zweitfolgenden Kalenderjahres keine Abgabenerklärung für den betreffenden Veranlagungszeitraum abgegeben wurde und sich nach der Aktenlage eine Steuergutschrift ergibt.

Wurde eine antragslose Veranlagung vorgenommen, dann kann innerhalb der allgemeinen Frist zur Arbeitnehmerveranlagung von fünf Jahren eine Abgabenerklärung eingebracht werden, um zum Beispiel Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen zu können. Das Finanzamt ist dann verpflichtet, über diese Abgabenerklärung zu entscheiden und den Bescheid aus der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung aufzuheben.

Die Einführung der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung und auch ein ergangener Bescheid aus der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung befreit nicht von der allgemeinen Steuererklärungspflicht. Das heißt: Haben sich die Einkommensverhältnisse geändert und werden zum Beispiel erstmals neben Einkünften aus einem Dienstverhältnis auch solche aus einer Vermietung und Verpachtung erzielt, dann ist eine Steuererklärung einzureichen, auch wenn das Finanzamt auf Grund der bisherigen Verhältnisse eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung vorgenommen hat.

ECA-Steuertipp:
Sollte das Finanzamt eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung vorgenommen haben, prüfen Sie trotzdem, ob im betreffenden Veranlagungsjahr Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen angefallen sind und daher zu deren Geltendmachung eine Abgabenerklärung einzureichen ist.