ECA-Schreiner und Stiefler Steuerberatungsgruppe

Steuerberater und Wirtschaftstreuhand Krems an der Donau

Mit der zur Beschlussfassung (geplant noch im Dezember 2014) vorliegenden Regierungsvorlage zum Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 (RÄG 2014) sollen einerseits Vorgaben der EU umgesetzt werden und andererseits sollen die unternehmensrechtlichen und steuerrechtlichen Rechnungslegungsbestimmungen angeglichen werden.

Die Rechnungslegungsvorschriften gelten für Gesellschaften mit beschränkter Haftung, für Aktiengesellschaften und für sogenannte „kapitalistische Personengesellschaften" (GmbH & Co KG), wo kein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist.
Anzuwenden sind die geänderten Bestimmungen bei plangemäßer Gesetzwerdung für jene Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen. Für den Fall, dass das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr entspricht, wäre dies der 31.12.2016.
In den folgenden Ausführungen werden einige Neuerungen erläutert:

 

Neue Begriffe
Erstmals werden in das Gesetz Begriffsbestimmungen aufgenommen, die in der Praxis – insbesondere im Bereich der Abschlussprüfung – schon zur Anwendung kommen, jedoch bisher nur in internationalen Prüfungsstandards und nationalen Fachgutachten erläutert wurden. So wird unter anderem der Grundsatz der Wesentlichkeit dezidiert definiert. Demnach sind Informationen wesentlich, wenn deren Auslassung oder fehlerhafte Angabe Entscheidungen, die Leser oder Nutzer von Jahresabschlüssen treffen, beeinflussen. Hinsichtlich der Darstellung und Bilanzierung von Jahresabschlussposten wird auch auf den wirtschaftlichen Gehalt zugrundeliegender Vereinbarungen und Geschäftsvorfälle abzustellen sein.
Neben dem bisher schon bekannten beizulegenden Wert, den ein Erwerber eines Unternehmens für einen Vermögensgegenstand oder eine Schuld unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Unternehmensfortführung ansetzen würde, wird es in Zukunft auch einen beizulegenden Zeitwert geben. Es handelt sich dabei um den Börsekurs oder einen anders verlässlich ermittelbaren Marktwert.

 

Größenklassen
Innerhalb der Klassifizierung der Unternehmen aufgrund ihrer Größe wird es eine neue Kategorie geben. Es handelt sich dabei um Kleinstgesellschaften, sogenannte „Micros". Diese müssen keinen Anhang aufstellen.

Die Grenzen für die bereits bekannten Größenklassen (Klein, Mittel, Groß) werden leicht angehoben, wie aus der folgenden Übersicht hervorgeht:

  Bilanzsumme Umsatzerlöse Arbeitnehmer
(*in EUR Mio.) alt neu alt neu alt neu
Kleinstgesellschaften (NEU) - 0,35 0,7 - - 10
Kleine Gesellschaften 4,48 5 9,68 10 50 50
Mittelgroße Gesellschaften 19,25 20 38,5 40 250 250
Große Gesellschaften (über...) 19,25 20 38,5 40 250 250

 

Offenlegung
Die Zwangsstrafen, die bei Nichtoffenlegung des Jahresabschlusses verhängt werden, betragen für Kleinstgesellschaften („Micros") nur die Hälfte (somit EUR 350,00 für jeden Geschäftsführer und EUR 350,00 für die Gesellschaft). Während der Dauer von Insolvenzverfahren sollen in Zukunft keine Zwangsstrafen verhängt werden. Das soll die Arbeit der Masseverwalter erleichtern.

 

Bilanzgliederung und Bilanzierungspflichten
Der Bilanzposten der unversteuerten Rücklagen wird abgeschafft. Die Position wird ersatzlos gestrichen. Bestehende unversteuerte Rücklagen sollen unmittelbar in die Gewinnrücklage eingestellt werden. Darin enthaltene (passive) Steuerlatenzen sind in eine Rückstellung einzustellen. Für mittelgroße und große Gesellschaften kommt es künftig zu einer Aktivierungspflicht für aktive latente Steuern. Für aktive latente Steuern, die auf Verlustvorträgen basieren, besteht ein Aktivierungswahlrecht (bisher Aktivierungsverbot), wenn überzeugende substantielle Hinweise über in Zukunft ausreichende steuerliche Ergebnisse vorliegen.
Ebenso ist in Hinkunft ein Disagio aktiv-seitig in die Bilanz einzustellen. Ein Disagio liegt vor, wenn der Rückzahlungsbetrag einer Verbindlichkeit zum Zeitpunkt ihrer Begründung höher ist als ihr Auszahlungsbetrag. Eigene Anteile sind künftig als Minusposten im Eigenkapital zu zeigen.

 

Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung
In Anlehnung an die internationalen Rechnungslegungsbestimmungen soll der Ausweis von außerordentlichen Aufwendungen und außerordentlichen Erträgen in der Gewinn- und Verlustrechnung entfallen. Dafür sind gegebenenfalls Angaben im Anhang zu machen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit („EGT") wird künftig als „Ergebnis vor Steuern" bezeichnet.

 

Bewertung
In Anlehnung an die steuerlichen Bewertungsregeln besteht für die Bewertung von Herstellungskosten eine Ansatzpflicht (bisher Wahlrecht) für angemessene fixe und variable Gemeinkosten.
Rückstellungen sind mit dem Erfüllungsbetrag (bisher Rückzahlungsbetrag) anzusetzen, welcher bestmöglich zu schätzen ist. Bei der Bewertung sind auch Sachleistungsverpflichtungen und künftige Kostensteigerungen zu berücksichtigen. Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr sind mit einem marktüblichen Zinssatz abzuzinsen. Sozialverpflichtungen (Abfertigungs-, Jubiläums- und Pensionsrückstellungen) sind entweder nach versicherungsmathematischen Grundsätzen oder alternativ pauschal mit einem durchschnittlichen Marktzinssatz bei einer Restlaufzeit von 15 Jahren zu ermitteln. Die steuerlichen Sonderregelungen gelten weiterhin. Soweit aufgrund der geänderten Bewertung von langfristigen Verpflichtungen, welche die Bildung einer Rückstellung erforderlich machen, eine Zuführung zu den Rückstellungen erforderlich ist, ist dieser Betrag über längstens fünf Jahre gleichmäßig verteilt nachzuholen.