ECA-Schreiner und Stiefler Steuerberatungsgruppe

Steuerberater und Wirtschaftstreuhand Krems an der Donau

Voraussetzung für die steuerliche Absetzbarkeit von Kosten als außergewöhnliche Belastung ist deren Außergewöhnlichkeit, Zwangsläufigkeit und die wesentliche Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Das Bundesfinanzgericht (BFG) hatte jüngst über die Rückzahlung eines Kredites durch einen Vater für dessen Tochter in Höhe von EUR 12.800,00 als außergewöhnliche Belastung zu entscheiden.

Die Tochter konnte einen Kredit zur Finanzierung von Kosten für Zahnbehandlungen, für ein KFZ und für die Wohnungseinrichtung nicht mehr bedienen. Diese Kosten musste sie fremdfinanzieren, da sie auf Grund gesundheitlicher Probleme in ihrem erlernten Beruf nicht mehr weiter tätig sein konnte und ihre Arbeitszeit für die Absolvierung einer Umschulung und als alleinerziehende Mutter für die Betreuung ihres Kindes reduzieren musste.

Ohne die Hilfestellung durch ihren Vater hätte Sie die Ausbildung abbrechen müssen, um mehr arbeiten und verdienen zu können, was langfristig ihre Jobchancen und Verdienstmöglichkeiten verschlechtert hätte. Der Vater sah sich sittlich verpflichtet, sein Kind in dieser Notlage zu unterstützen. Durch die Tilgung des Kredits durch den Vater konnte die Tochter auch tatsächlich ihre Ausbildung abschließen und wieder selbständig für sich und ihr Kind sorgen.

Das Finanzamt sah jedoch keine Zwangsläufigkeit für eine Tilgung des Kredites aus rechtlicher Sicht gegeben, da diesbezüglich keine existenzbedrohende Notlage vorgelegen hätte: Denn der Vater hätte seiner Tochter auch ein zinsloses Darlehen gewähren können. Das Vorliegen einer Zwangsläufigkeit für eine finanzielle Unterstützung eines Angehörigen aus sittlichen Gründen wird nach der Rechtsprechung dann angenommen, wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass die Schulden schicksalsbedingt sind und nicht unnotwendig oder leichtfertig eingegangen wurden.

Das BFG gab in der Folge dem Vater recht und erkannte die Kreditrückzahlung als außergewöhnliche Belastung an: Denn der Vater konnte im Verfahren nachvollziehbar darlegen, dass er glaubte und auch glauben durfte, durch sein Eingreifen eine existenzbedrohende Notlage von seiner Tochter abwenden zu können, die in keinem Zusammenhang mit einem leichtfertigen Handeln der Tochter stand.
Das Verhalten des Vaters wird vom BFG als im Einklang mit einem objektiven Pflichtbegriff beurteilt und entspringt daher nicht nur einer hohen subjektiven moralischen Vorstellung. Der Vater konnte sich dementsprechend aus sittlichen Gründen im Sinne der Rechtsprechung nicht der übernommenen Belastung entziehen, weshalb die Tatbestandvoraussetzungen für eine steuerlich anzuerkennende außergewöhnliche Belastung vorlagen.

ECA-Steuertipp:
Gerne prüfen wir für Sie, ob Kosten für Sie und Ihre Angehörigen die Voraussetzungen für eine Absetzbarkeit als außergewöhnliche Belastung erfüllen.